Bad Honnef . Was 1995 als Idee für die Bad Honnefer Innenstadt begann, hat sich zu einem großen Herbstmarkt entwickelt. Doch die Geschichte der Veranstaltung ist auch eine Geschichte wechselnder Verantwortlicher, unterschiedlicher Konzepte und finanzieller Herausforderungen. Vom 21. bis 25. Oktober feiert der Martini Markt seine 30. Ausgabe.
Bad Honnef. Romantische Holzhäuschen, Kunsthandwerk, der Duft von Rindenmulch und ein Markt, der die Innenstadt für mehrere Tage in eine besondere Kulisse verwandelte: So verbinden viele Besucher ihre Erinnerungen an den Bad Honnefer Martini Markt. Heute prägen zahlreiche Verkaufsstände, kulinarische Angebote und das historische Riesenrad das Bild. Hinter der Entwicklung vom ursprünglichen Marktkonzept zum großen Innenstadtfest liegen drei Jahrzehnte, in denen sich nicht nur das Angebot, sondern auch die Verantwortlichkeiten verändert haben.
Von der Stadtforum GmbH zu Michael Schuch
Die Anfänge reichen bis 1995 zurück. Nach einem historischen Rückblick der Bad Honnefer Zeitung wurde der Martini Markt damals von der Stadtforum GmbH gegründet. 1998 übernahm Michael Schuch die Organisation. Unter seiner Regie entwickelte sich der Markt zu einer Veranstaltung, die nicht allein vom Warenangebot lebte, sondern auch von ihrer Atmosphäre.
Die romantischen Holzhäuschen verliehen dem Markt ein eigenes Erscheinungsbild. Sie unterschieden ihn von einem gewöhnlichen Verkaufsmarkt und trugen dazu bei, dass der Besuch für viele Menschen zu einem herbstlichen Erlebnis wurde.
Der Martini Markt wurde zu einem Treffpunkt für Bad Honnefer und Gäste aus der Umgebung. Händler präsentierten Kunsthandwerk und besondere Waren, während die Gestaltung der Marktflächen eine gemütliche Atmosphäre schaffen sollte.
2008 änderten sich die Zuständigkeiten
Eine wichtige Zäsur folgte 2008. Von diesem Zeitpunkt an führte der Centrum e.V., der Zusammenschluss des örtlichen Einzelhandels, Regie beim Martini Markt. Michael Schuch blieb zunächst als Organisator tätig.
In den folgenden Jahren kam es jedoch zu Spannungen. Der Bonner General-Anzeiger berichtete unter der Überschrift „Honnefer pochen auf die Marke Martini Markt“ über den Streit. Dabei ging es auch um die Frage, wer den Namen und das Veranstaltungskonzept künftig nutzen konnte.
2011 zog sich Schuch aus Bad Honnef zurück. Anschließend baute er in Linz am Rhein einen eigenen Martini Markt auf. Auch dort sollte die historische Innenstadt als Kulisse dienen. Die Entwicklung zeigt, dass sich die Trennung nicht allein auf einen Wechsel in der organisatorischen Zuständigkeit reduzieren lässt.
Welche Einzelheiten zum Markenstreit führten und wie die Beteiligten ihre jeweiligen Ansprüche begründeten, lässt sich anhand der bislang zugänglichen Berichte nicht abschließend klären. Eine ausführliche Darstellung müsste deshalb auch die damaligen Positionen der Beteiligten berücksichtigen.
Jürgen Kutter übernimmt
Nach Schuchs Weggang übernahm Jürgen Kutter die Organisation des Bad Honnefer Marktes. Das Erscheinungsbild veränderte sich im Laufe der Jahre. Die romantischen Holzhäuschen, die früher einen wesentlichen Teil des Konzepts ausgemacht hatten, verschwanden. Der Markt entwickelte sich stärker zu einer großen Verkaufs- und Erlebnisveranstaltung mit zahlreichen Händlern, Gastronomie und Fahrgeschäften.
Ein sichtbares Zeichen dieser Entwicklung war 2012 die Einführung des historischen Feldmann-Riesenrads. Es wurde zu einem markanten Blickfang und gehört inzwischen zum vertrauten Bild des Martini Marktes.
In den vergangenen Jahren wurden regelmäßig etwa 125 bis 130 Aussteller angekündigt. Die Marktflächen reichen über den historischen Marktplatz und den Bereich der Kirche St. Johann Baptist hinaus in weitere Straßen der Innenstadt. Damit ist der Martini Markt längst mehr als eine Ansammlung einzelner Stände.
Finanzielle Belastungen und die Corona-Pause
Dass eine solche Veranstaltung nicht selbstverständlich ist, zeigte sich in den vergangenen Jahren mehrfach. 2020 und 2021 fiel der Markt wegen der Corona-Pandemie aus. 2022 kehrte er zurück.
2023 stand die Veranstaltung erneut vor Herausforderungen. Steigende Kosten, insbesondere für Sicherheit und Organisation, belasteten die Finanzierung. Im August 2023 berichtete „Honnef heute“, dass der Martini Markt auf der Kippe stand. Die Stadt sagte schließlich eine Unterstützung von 18.000 Euro zu.
Der Vorgang machte deutlich, wie eng die Zukunft des Marktes mit der Finanzierung und der Zusammenarbeit zwischen Veranstalter, örtlichem Handel und Stadt verbunden ist. Für den Einzelhandel bietet die Veranstaltung die Möglichkeit, zusätzliche Besucher in die Innenstadt zu bringen. Zugleich verursacht ein Markt dieser Größenordnung Kosten, die nicht allein durch die Zahl der Stände oder die Besucherfrequenz zu beurteilen sind.
Ein Markt als Standortfaktor
Heute ist der Martini Markt ein fester Termin im Bad Honnefer Veranstaltungskalender. Er verbindet Kunsthandwerk, Feinkost, Gastronomie und Unterhaltung und sorgt dafür, dass die Innenstadt über mehrere Tage zum Ausflugsziel wird.
Die Stadt Bad Honnef unterstützt die Veranstaltung finanziell und organisatorisch. Für die örtlichen Geschäfte ist der Markt eine Gelegenheit, sich einem Publikum aus der Region zu präsentieren. Wie stark sich der zusätzliche Besuch tatsächlich auf die Umsätze der einzelnen Betriebe auswirkt, lässt sich ohne entsprechende Zahlen allerdings nicht beziffern.
Zum 30. Mal in der Innenstadt
Zum Jubiläum wird die Geschichte des Marktes auch im Stadtbild sichtbar. Eine Ausstellung mit 30 historischen Fotomotiven in Schaufenstern und Geschäften soll Erinnerungen an frühere Ausgaben wachrufen. Außerdem wird das Marktgelände bis zur Ecke Hauptstraße/Weyermannallee erweitert.
Der 30. Martini Markt findet von Mittwoch, 21. Oktober, bis Sonntag, 25. Oktober 2026, statt. Damit feiert Bad Honnef nicht nur eine Veranstaltung, die sich über drei Jahrzehnte gehalten hat. Das Jubiläum erinnert auch an die unterschiedlichen Vorstellungen davon, wie ein solcher Markt aussehen und organisiert werden soll.
Von den romantischen Holzhäuschen der frühen Jahre über den Wechsel von Michael Schuch zu Jürgen Kutter bis zu den heutigen Herausforderungen bei Sicherheit und Finanzierung hat sich der Martini Markt immer wieder verändert. Geblieben ist seine Funktion als großes Herbstereignis in der Innenstadt – und als ein Stück Bad Honnefer Veranstaltungsgeschichte.
Quellen: Stadt Bad Honnef; Rhein-Sieg-Kreis, Jahrbuch 2026; Bad Honnefer Zeitung; Bonner General-Anzeiger; Berichte von „Honnef heute“.

